Auf unserer 20-tägigen Reise durch den Westen Kanadas entdeckten wir eine vielfältige und abwechslungsreiche Landschaft, lernten interessante Menschen kennen und bekamen ein Gefühl für die regionalen Eigenheiten dieses riesigen Landes. British Columbia ist knapp dreimal so gross wie Deutschland, hat aber weniger Einwohner als Hessen – abgesehen von den Ballungsräumen um Vancouver, Victoria und Kelowna ist die Landschaft ausgesprochen wild, geprägt von den mächtigen Gebirgszügen der Rocky, Coast und Columbia Mountains.
Unsere Route
Unsere 3200 km lange Route startete in Vancouver und führte über Hope, Kelowna und Revelstoke in die Nationalparks der Rocky Mountains. Im Banff- und im Jasper-Nationalpark besuchten wir die schönsten Plätze und wanderten durch endlose Wälder und Berglandschaften, bevor es weiter nach Clearwater und Richtung 100 Mile House ging. Für die historische Goldgräberstätte in Barkerville reichte die Zeit leider nicht mehr, also ging es direkt über Whistler zurück nach Vancouver und mit der Fähre für einige Tage auf Vancouver Island. Die letzten Tage genossen wir in der pulsierenden Stadt Vancouver.
Dieses Reisetagebuch hat damals unser älterer Sohn geschrieben – wir lassen seine Perspektive und seine Worte bewusst so stehen, wie er sie festgehalten hat.
Abflug und Ankunft
Morgens um 6 Uhr aufstehen und sich bereit machen für einen sehr, sehr langen Tag. Um 8:10 Uhr ging es schon mit dem Postauto nach Pfäffikon und von dort mit einmal Umsteigen direkt zum Flughafen, wo uns meine Grossmutter, mein Götti und mein Cousin beim Check-in erwarteten. Nach einem feinen Gipfeli und einer warmen Schokolade machten wir die letzten Einkäufe und verliessen den öffentlichen Bereich durch die Passkontrolle am Gate E, wo schon unsere Edelweiss-Maschine auf uns wartete.
Der Flug dauerte 10 Stunden und 10 Minuten. Nach unzähligen Stunden mit Unterhaltungsprogramm und Verpflegung landeten wir um 14:15 Uhr Ortszeit und machten uns nach Passkontrolle und Gepäckausgabe auf zum Hotel Delta. Wir wollten unbedingt noch die Skyline von Vancouver geniessen und fuhren mit dem Skytrain in die Downtown – auf dem Hinweg zahlten wir 33 Dollar, auf dem Rückweg nur noch 13, fragt uns nicht wieso. Am Ende eines langen Tages erreichten wir das Meer mit Blick auf den Frachthafen. Raphael und Mami hatten mit der Zeitverschiebung zu kämpfen und gingen schon um halb acht ins Bett, während ich noch dieses Tagebuch schrieb.
Von Hope über Kelowna nach Revelstoke
Am nächsten Morgen hiess es früh raus fürs Wohnmobil: Der Shuttle brachte uns nach Langley, wo uns riesige Autoverkäufer und sehr freundliche Kanadier empfingen. Nach allem Papierkram durften wir unser Zuhause für die nächsten 20 Tage zum ersten Mal besteigen – nicht ganz leicht zu finden auf dem riesigen Gelände voller Wohnmobile.
Das Einkaufen im riesigen Supermarkt war gar nicht so einfach – allein von Tomatensauce gab es ein ganzes Regal voll, und man sollte für den Einkaufswagen einen Dollar parat haben. Nach fast zwei Stunden ging es die 138 Kilometer zum Kawkawa Lake, begleitet von einem sehr langen Güterzug mit 108 Waggons, die uns während der ganzen Reise auf ihre eigene Art begleiten sollten.
Am nächsten Tag ging es über Lytton, Spences Bridge und Merritt nach Kelowna – Samuel hatte inzwischen Halsweh, Schnupfen und Fieber. In Hope bestaunten wir Holzschnitzereien, in Merritt sah es aus wie in einem Wildwestfilm. Auf dem gepflegten Campingplatz in Kelowna gab es endlich wieder etwas Ruhe.
Weiter ging es Richtung Revelstoke, mit einem Halt an einer Geisterstadt aus der Zeit des Goldrauschs – heute ein Museum. Der Campingplatz Lamplighter, geführt von einem Schweizer Ehepaar, war bis dahin der schönste unserer Reise.
Durch Yoho- und Banff-Nationalpark
Vom Mt. Revelstoke aus wanderten wir teils über Schnee zum Gipfel und genossen mehrere kurze Rundwege mit herrlicher Aussicht. Auf dem Rogers Pass zeigte das Infocenter im Yoho-Nationalpark eine Ausstellung über die Tierwelt und die eindrückliche Eisenbahnführung durch die Kehrtunnels.
In dieser Nacht lernten wir zum ersten Mal, was es bedeutet, direkt neben einer Bahnlinie zu campen – die Güterzüge donnerten im Minutentakt vorbei, und die Lokführer liessen ihre Hupe mit sichtlichem Vergnügen ertönen. Auf dem Weg von Golden nach Banff wollte Bruno mutig die engen Kehren zu den Takakkaw Falls hochfahren, kehrte aber nach der ersten Kurve lieber um.
Den Shuttlebus zum Lake O’Hara verpassten wir knapp und machten uns zu Fuss auf den Weg – mir war der wilde Wanderpfad unheimlich, überall lauerten wohl Bären hinter den Bäumen, und nach einem Kilometer kehrten wir meinetwegen wieder um. Wenigstens signalisierten die bärensicheren Abfalleimer, dass wir uns definitiv in Bärenland befanden.
Die Stadt Banff kam uns vor wie St. Moritz, mit einem Starbucks-Frappuccino, der uns fortan die ganze Reise begleiten sollte.
Icefields Parkway, Jasper und Maligne Lake
Auf dem Weg zum Johnson Canyon ging es mir nicht so gut, und wir kehrten vorzeitig um. Dafür begegneten wir endlich, nach fast einer Woche in Kanada, unserem ersten Schwarzbären auf der Bow Valley Parkway – am Ende der Reise sollten es 14 werden, nur der Grizzly liess sich nie blicken.
Am Moraine Lake war die Aussicht auf den türkisfarbenen See mindestens so schön wie am berühmteren Lake Louise nebenan. Eine kleine Wanderung zum Consolation Lake führte uns erneut mitten ins Bärenland, mit ausführlichen Verhaltenstafeln für Bärenbegegnungen.
Dann stand uns eine der schönsten Routen bevor: der Icefields Parkway, der sich 230 Kilometer am Hauptkamm der Rocky Mountains entlang nach Norden schlängelt, vorbei an 25 Gletschern und sieben gigantischen Eisfeldern. Am Columbia Icefield fuhren überdimensionierte Spezialbusse direkt auf den Gletscher hinauf. Wir übernachteten unterwegs und grillierten – kurz nachdem das Feuer brannte, fing es natürlich an zu regnen, sodass wir im Regen weitergrillierten.
In Jasper stand ein Wäschetag an, vier Maschinen voll, bevor es zum glasklaren Maligne Lake weiterging. Früh am Morgen war der Parkplatz noch fast leer; die Bootsfahrt bei strahlendem Wetter mit Blick auf die umliegenden, teils vergletscherten Berge war atemberaubend, mit einem Fotostopp bei der berühmten Spirit Island.
Ein Tag im Auto und Whistler
Auf dem Weg nach Clearwater sahen wir bei einer Bootssafari auf dem Blue River unseren sechsten und siebten Schwarzbären sowie ein paar Weisskopfseeadler – dafür griffen uns am Parkplatz die Mücken gnadenlos an. Ein ganzer Tag verging dann fast nur mit Autofahren Richtung Whistler, mit Halt an einem Wasserfall und auf einer Ranch zum Mittagessen.
In Whistler machten wir Fotos bei den Olympic Rings, schlenderten durch die Fussgängerzone und sahen den Downhill-Bikern zu. Samuel wollte unbedingt die Langlaufloipe und das Olympic-Areal sehen, das wie ausgestorben zwischen leeren Parkplätzen lag – überglücklich, dass er recht behalten hatte, dass sich hier auch die Loipe befindet.

Mit der Fähre nach Vancouver Island
Mit der Gondel ging es auf den Whistler Mountain und nach einer 45-minütigen Wanderung – vorbei an zwei Murmeltieren – in die Peak2Peak-Gondel, die höchste Seilbahn über Grund und die längste ohne Zwischenmasten der Welt.
Am Campingplatz an der Küste hatte es keinen Platz mehr, also fuhren wir kurzerhand zur Fähre – und konnten spontan noch am selben Abend statt erst am nächsten Tag nach Vancouver Island übersetzen. An Deck erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang, bevor wir im Dunkeln auf der Insel ankamen und schnell ins Bett fielen.
Victoria und die Wale
Nach einem Ruhetag am Strand mit einer Kanufahrt und einer weiteren Fahrt quer über die Insel stand in Victoria das grosse Ereignis an: das Whalewatching. Nach 45 Minuten Fahrt hinaus aufs Meer, vorbei an Adlern und Robben, entdeckten wir gleich mehrere Orcas.

Den Nachmittag verbrachten wir bei den Zero Miles und dem Regierungsgebäude, wo uns russische Matrosen mit riesigen Kapitänsmützen und ein Strassenmusiker im Supermann-Kostüm bestens unterhielten. Am nächsten Tag führte uns die Küstenstrasse zum Fort Rodd Hill mit seinen alten Festungsanlagen und zum Fisgard Lighthouse, danach der Scenic Marine Drive vorbei am Ogden Point Breakwater mit seinen herrlichen Ausblicken aufs Meer.
Zurück nach Vancouver und Heimflug
Zurück in Vancouver besuchten wir das Olympic Village und standen unversehens vor dem Olympiastadion und der Rogers Arena, bevor uns eine Stadtrundfahrt zu den weiteren Sehenswürdigkeiten brachte.
Am letzten Tag mussten wir das Wohnmobil zurückbringen und erfuhren am Check-in, dass sich unser Flug wegen einer technischen Panne um mehrere Stunden verspätete – macht zusammen mit dem Flug selbst einen ziemlich harten letzten Reisetag. Trotzdem: ein Abschied mit einem Lächeln.
Wir erlebten eine abwechslungsreiche Reise mit vielen schönen Eindrücken, vielfältigen Erlebnissen und landschaftlich reizvollen Gebieten – und genau diese Reise war es, die uns richtiggehend mit dem Wohnmobilfieber ansteckte.
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