Südschweden (25.07. - 16.08.14)

16. August 2014

Unsere erste längere Reise mit dem Wohnmobil führte uns für drei Wochen nach Südschweden. Schweden grenzt an Norwegen, Finnland, das Kattegat und die Ostsee und zählt rund 221’800 Inseln – die grössten sind Gotland, Öland und Orust. Während weite Teile des Landes flach bis hügelig sind, steigen entlang der norwegischen Grenze die Gebirgsmassive der Skanden auf über 2000 m an. Wir bereisten den Süden und die Mitte des Landes, Götaland und Svealand, geprägt von Wäldern, unzähligen Seen und einer langgezogenen Schärenküste.

Schwedische Schärenküste im Abendlicht mit roten Holzhäusern am Wasser
Distanz4917 km
WetterSonne, Regen
Dauer21 Tage
Besuchte OrteMalmö, Göteborg, Vänersborg, Mariestad, Falun, Stockholm, Motala, Vimmerby, Västervik, Växjö

Unsere Route

Die Anreise

Weil wir schon am Freitag frei hatten, konnten wir bereits um 11:30 Uhr in Hittnau losfahren – trotz immer wieder Stau ein Vorteil, den wir am nächsten Tag zu schätzen wussten. Nach 525 km übernachteten wir auf einem Park+Ride in Fulda, Abendessen gab’s in einem Gartenrestaurant der autofreien Altstadt, dann fielen alle todmüde ins Bett.

Samuel sitzt am Steuer des Wohnmobils kurz vor der Abfahrt

Am nächsten Tag ging es weiter nach Travemünde – wieder mit Stau, sodass wir erst nach 524 km und um 18 Uhr ankamen. In der Wartezone des Fährhafens gab es einen Wurstsalat, um 19:30 Uhr begann der Verlad auf die Fähre. Für unseren Hund Palux suchten wir an Deck zuerst die Hundetoilette – ein übelriechender Kasten in der Grösse eines Sandkastens, vor dem sich Palux standhaft weigerte, auch nur in die Nähe zu gehen. Also keine Erleichterung mehr bis zum nächsten Morgen.

Fährschiff der Reederei Finnlines im Hafen von Travemünde, davor LKW im Wartebereich Gabriela mit Palux an der Bord-Hundetoilette auf dem Oberdeck der Fähre

Pünktlich um 7:30 Uhr legte die Fähre in Trelleborg an. Kurz nach Malmö entdeckten wir einen gratis Stellplatz direkt am Meer, machten Frühstück und einen Strandspaziergang mit Palux. Bei bis zu 30 Grad ging es weiter nach Falsterbo, wo die Jungs kurzerhand ohne Badehosen in Shorts ins Meer wateten. Die Hitze liess uns weitere Städte links liegen lassen, wir hielten nur noch für Einkäufe und fuhren weiter Richtung Göteborg.

Sandstrand bei Falsterbo mit badenden Menschen an einem heissen Sommertag Verkehrsschild Richtung Malmö vor einer Klappbrücke, Blick durch die Frontscheibe des Campers

Göteborg und die Schärenküste

Nach einem gemütlichen Start besuchten wir das idyllisch gelegene Schloss Tjolöholm mit seinem schönen Garten; Samuel entdeckte einen Waldpfad mit toller Aussicht aufs Meer. Am Nachmittag folgte eine Sightseeing-Fahrt mit dem Wohnmobil mitten durch Göteborg – Bruno souverän am Steuer trotz Baustellen –, danach die Gratis-Fähre auf die Inseln Öckerö und Hönö. Der dortige Stellplatz überzeugte uns nicht, also ging die Suche weiter: Raphael fand schliesslich einen schönen Platz direkt am Meer bei Marstrand, wenn auch ohne Frischwasser oder Entsorgung. Die Aussicht entschädigte alles, und um 22 Uhr begann sich der Himmel langsam rot zu färben.

Sonnenuntergang über der Schärenküste bei Marstrand, Silhouetten von Inseln und Häusern

Weiter ging die Fahrt via Stenungsund auf die Inseln Tjörn und Orust – wunderschöne Schäreninseln und malerische Örtchen. Bei den Schleusen von Trollhättan schwebten wir mit der südlichsten Seilbahn Schwedens zum Wasserkraftwerk hinunter und sahen den Schiffen beim Schleusenvorgang zu.

Blick über die Schärenküste mit Segelbooten zwischen bewaldeten Inseln

Der Vänernsee und Dalarna

Am Ursand Camping direkt am Vänernsee genossen wir einen sauberen Platz mit Waldweg und einen Spieleabend draussen. Weiter Richtung Gullspång wollten wir Dressine fahren, doch die Bahn war ausgebucht – stattdessen liessen wir uns am Kristinehamn Herrgårdscamping mit Seeanstoss nieder. Auf der Fahrt Richtung Mora, vorbei an Wäldern und kleinen Seen, erreichten wir die Insel Sollerön im Siljansee, wo wir zu Fuss ins Dorf spazierten, um den Kühlschrank aufzufüllen.

Schleuse am Göta Kanal bei Trollhättan, Spaziergänger mit Hund am Ufer

Im Bärenpark Orsa Grönklitt – wo Samuel es leider mit dem Magen zu tun bekam und mit Palux im Camper bleiben musste – sahen wir Luchs, Eule, Tiger, mehrere Bären, einen Leoparden und Eisbären, nur die Wölfe blieben in ihrem riesigen Gehege verborgen. In Nusnäs schauten wir der Werkstatt Nils Olsson beim Bemalen der berühmten Dalapferde zu, in Rättvik gerieten wir mitten in ein Treffen amerikanischer Oldtimer-Fans, deren exotische Fahrzeuge von den Strassenrändern aus bestaunt wurden.

Am nächsten Tag stand die ehemals grösste Kupfergrube der Welt in Falun an, seit ihrer Stilllegung UNESCO-Weltkulturerbe – der Rundweg um das riesige Tagebau-Loch war schnell erledigt. Der Umweg zum grössten Dala-Pferd der Welt in Avesta enttäuschte dann etwas: Die Farben waren verblasst, grosse Risse trübten das Bild.

Das riesige Dala-Pferd von Avesta, umgeben von Büschen Blick auf den Dom von Strängnäs und die Altstadt in der Abenddämmerung, Segelboote im Hafen

Zwischen den Seen

Auf der Suche nach einem Wildcampingplatz Richtung Strängnäs wurden wir nicht recht fündig und landeten schliesslich auf einem kostenlosen Parkplatz am Stadtrand. Die Hitze und ein wenig einladender Campingplatz bei Stockholm liessen uns kurzerhand entscheiden, die Stadtbesichtigung ganz zu streichen – bei diesen Temperaturen ohnehin kein Vergnügen. Stattdessen steuerten wir den Nickstabadet Camping in Nynäshamn an, wo endlich Wäsche gewaschen und gebadet werden konnte.

Die nächsten Tage verbrachten wir grösstenteils mit Faulenzen auf dem Campingplatz in Malmköping: Die Kinder kühlten sich im See ab, Palux bekam eine selbstgemachte Hundeglace, und ich kam endlich mit der Wäsche nach. Die Jungs mieteten ein Kanu und ruderten, kaum in See gestochen, prompt eine Stunde lang durch strömenden Regen über den Hjälmarsee – liessen sich davon aber nicht die Laune verderben.

Göta Kanal und Vättern

Bei Berg nahe Linköping bestaunten wir die Schleusentreppe des Göta Kanals: Rund acht Schleusen überwinden Schiffe hier, bevor sie bergauf weiterfahren können. Weiter ging es nach Motala und dem Vätternsee entlang bis Vadstena, wo wir uns ein Filet vom Einweggrill gönnten.

Person auf einem Holzsteg beobachtet den Sonnenuntergang über dem Vätternsee

Am nächsten Morgen besichtigten wir das schön am See gelegene Wasserschloss von Vadstena, bevor es weiter nach Gränna ging – eine Dorfstrasse voller Zuckerbäckereien, in denen man den Zuckerstangen bei der Herstellung zusehen und sich im Schlaraffenland fühlen konnte. Den ersten Campingplatz verwarfen wir wegen der Nähe zur Autobahn; stattdessen fanden wir einen idyllischen, waldumgebenen Stellplatz bei Eksjö mit Wasser, Entsorgung und sogar Strom.

Das Wasserschloss von Vadstena am Ufer des Vätternsees

Vimmerby und die Ostseeküste

In Astrid Lindgrens Welt in Vimmerby wurden die Schauplätze aus den Kinderbüchern lebendig, mit kleinen Theaterstücken auf Schwedisch und unzähligen Spiel- und Kletterplätzen mitten im Wald – und dem Hund erlaubt. Ich hatte an diesem Tag wohl am meisten Freude von uns allen.

Familie sitzt mit Hund auf den steinernen Sitzstufen des Freilufttheaters in Astrid Lindgrens Welt Nachgebaute Steinburg mit spielenden Kindern in Astrid Lindgrens Welt

Weiter ging es ans Meer nach Västervik, wo wir zwei Tage blieben, um auszuspannen. Auf einem Morgenspaziergang von Schäre zu Schäre entdeckten wir von einer Brücke aus Quallen im Wasser – dem Bad im Meer war das nicht gerade zuträglich, dafür gab es ausgiebige Fotosessions.

Kalmar, Öland und der Heimweg

Ab jetzt ging es langsam heimwärts. Ein Wegweiser mit einer Blume – Symbol für schöne Aussicht – lockte uns nach Pataholm, wo wir mit einem idyllischen Meerblick belohnt wurden. Über die Brücke ging es kurz nach Öland hinüber; die Insel selbst hoben wir uns für ein anderes Mal auf und kehrten zurück nach Kalmar für ein Erinnerungsfoto von der Brücke.

Die lange Ölandbrücke bei Kalmar, Blick durch die Windschutzscheibe

In Kosta und Bergdala besuchten wir zwei Glasbläsereien und kauften uns je einen Leuchtkegel, bei Huseby Bruk hielten wir bei einer Anlage aus Museen, Schloss und schöner Natur. In Markaryd fanden wir bei der Älg-Safari einen ruhigen Übernachtungsplatz abseits der Strasse – nach kurzer Nachfrage beim Betreiber kein Problem.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Wohnmobil durch den Elch- und Bisonpark und sahen endlich Elche aus nächster Nähe, nachdem wir sie bis dahin nur auf Warnschildern gesehen hatten. Eines steckte sogar den Kopf durchs Fenster herein – bis Palux blitzschnell zur Stelle war und die Begegnung beendete. Nach einigem Suchen nach einem Laden in Malmö übernachteten wir auf dem First Camp in der Nähe der Öresundbrücke.

Über Kopenhagen und Deutschland nach Hause

Nach der Überquerung der Öresundbrücke machten wir noch eine Sightseeingtour mit dem Wohnmobil durch Kopenhagen, dann hiess es, durch Dänemark Kilometer abzuspulen. Über Sorø, Næstved und Vordingborg erreichten wir Rødby und nahmen die Fähre nach Puttgarden auf Fehmarn – der Campingplatz Miramar war zwar ausgebucht, die Chefin fand aber noch einen Notplatz für uns.

Die Öresundbrücke in der Abenddämmerung, vom Wasser aus gesehen Windräder entlang der norddeutschen Küste, im Vordergrund ein Kanal mit Steg

Quer durch Norddeutschland ging es von Fehmarn an die Nordseeküste nach Büsum, mit einem Zwischenhalt in Kiel, wo wir die grossen Schiffe beim Passieren der Schleuse am Nord-Ostsee-Kanal bestaunten. Ein Bummel zum Wattenmeer und durch die Hafenstadt, wo gerade ein Weinfest mit Musik stattfand, beschloss unseren letzten Reisetag vor der Heimreise über eine weitere Übernachtung in der Mitte Deutschlands.

Wir haben in diesen drei Wochen viele schöne Orte besucht und einen Teil des wunderschönen Landes Schweden erleben dürfen. Schweden wird uns immer eine Reise wert sein.

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