Nach langem Überlegen haben wir uns entschieden, die freien Tage zwischen Auffahrt und Pfingsten in Frankreich zu verbringen. Unser Ziel: eine Rundreise durch die Normandie, von Le Havre der Küste entlang bis zum Mont-Saint-Michel und dann flexibel und wetterabhängig weiter Richtung Loire.
Unsere Route
Die Normandie ist ein Land der Geschichte, Kultur und Traditionen: Wälder, Bocage und sattgrünes Hinterland treffen auf die weissen Felsen der Alabasterküste, die Bucht des Mont-Saint-Michel, die Flussschleifen der Seine und die «normannische Schweiz». Heimat von Wilhelm dem Eroberer und Schauplatz der Alliiertenlandung von 1944, hat die Region eine hohe Dichte an Sehenswürdigkeiten – vom Klosterberg Mont-Saint-Michel über die Mittelalterstadt Bayeux bis zu den Landungsstränden, der Pointe du Hoc und dem Memorial in Caen. Auch die kleinen Küstenorte wie Étretat, Fécamp und Honfleur, die im 19. Jahrhundert schon die Impressionisten inspirierten, haben nichts von ihrem Charme verloren.
Die Reise nach Frankreich
Am 11. Mai ging’s los. Das Wohnmobil war bereits am Vorabend reisefertig, wir mussten nur noch die Vorräte aufstocken und die letzten Sachen verstauen. Pünktlich um 11:30 Uhr fuhren wir bei Sonnenschein los – kamen aber nicht weit. Am Brüttiseller Kreuz der erste Stau, eine Stunde Wartezeit, kurz vor Basel gleich nochmal. Wenn das so weitergeht, kommen wir nie in der Normandie an…
In Frankreich ging es dann zügiger. Kaum Verkehr auf der Autobahn, eine erste längere Rast am See in Sevenans mit einem Spaziergang um den See mit Hund, dann weiter bis Semur-en-Auxois. Um 18:30 Uhr fanden wir auf dem bereits gut besetzten Stellplatz noch einen Platz für die Nacht – Grill auspacken, Abendessen zubereiten, müde ins Bett.
Am nächsten Morgen ging es früh los, gleich neben dem Stellplatz ein grösseres Intermarché – dieser Detailhändler sollte uns die ganze Reise über begleiten: sauber, grosser Parkplatz, gutes frisches Sortiment. Je näher wir Paris kamen, desto dichter wurde der Verkehr, doch die Umfahrung meisterten wir gut.
Etappenziel war Étretat, ein kleiner Hafenort am Ärmelkanal, den schon Claude Monet malte. Gleich beim Ortseingang gab es einen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung, Wasser für 10 Minuten und 2 Euro, Parkgebühr für 24 Stunden 11 Euro. Die Wolken verdichteten sich zusehends, kurz vor der Ankunft begann es zu regnen – Frischwasser auffüllen und Grauwasser entleeren fand bei giessendem Regen statt. Was macht einem richtigen Camper schon ein bisschen Regen aus, und die Prognosen für die nächsten Tage sahen ohnehin besser aus.
Etretat
Trotz leichtem Regen machten wir uns auf, die Felsküste zu bestaunen. Links und rechts ragen die «Falaises d’Étretat» aus dem Meer – Kreidefelsen, die durch Erosion ihre einzigartige Form erhalten haben. Am häufigsten fotografiert werden die drei markanten Felsbögen Porte d’Amont, Porte d’Aval und Manneporte. Entlang der Steilküste führen mehrere Wanderwege zu schönen Aussichtspunkten; wir empfehlen einen frühmorgendlichen Besuch, solange sich die Menschenmenge noch in Grenzen hält. Die ersten Flugversuche mit der Drohne mussten wir schnell abbrechen – der Wind war zu stark, um sie ruhig in der Luft zu halten.
Gegen Mittag ging es zurück zum Stellplatz, alles verstauen, Grauwassertank entleeren, weiter der Küste entlang Richtung Le Havre. Bei Le Havre überquerten wir die Pont de Normandie, eine der längsten Brücken Europas und einige Jahre lang die längste Schrägseilbrücke der Welt – ein architektonisches Kunstwerk der Moderne.
Das kleine, malerische Hafenstädtchen Honfleur auf der anderen Seite der Seine lud zum Flanieren ein. Wir beschlossen, noch ein Stück weiterzufahren, bis nach Vierville-sur-Mer, und übernachteten auf dem Campingplatz Omaha Beach – mit Meerblick. Nach dem Einrichten spazierten wir dem Strand entlang. In der Normandie gehören die Gezeitenunterschiede zwischen Ebbe und Flut zu den grössten der Welt: Der Meeresspiegel steigt und sinkt um mehrere Meter, bei Ebbe zieht sich das Meer mehrere hundert Meter vom Ufer zurück. Ein beeindruckendes Naturschauspiel – Warn- und Gezeitentafeln sollte man dabei immer im Blick behalten.
Omaha Beach
Entgegen der Prognose schien am nächsten Morgen die Sonne, ein kräftiger Wind blies vom Meer. Wir spazierten dem Strand entlang bis Saint-Laurent-sur-Mer und besuchten die verschiedenen Denkmäler und Gedenkstätten aus dem Zweiten Weltkrieg. Zurück in Vierville-sur-Mer ein Rundgang durchs Dorf, ein Blick in die Kirche, den Nachmittag verbrachten wir mit Nichtstun.
Der Campingplatz Omaha Beach liegt leicht erhöht über dem Meer mit direktem Strandzugang, die Plätze grosszügig angelegt, die Aussicht atemberaubend. Die Sanitäranlagen sind einfach, die Duschen vor einigen Jahren erneuert, die WC-Anlagen hätten eine Sanierung nötig. Das Dorf ist in etwa 15 Minuten zu Fuss erreichbar, bietet als 250-Seelen-Ort aber nicht allzu viel.
Arrondissement Cherbourg
Zuerst nach Grandchamp-Maisy, zur Gedenkstätte Pointe du Hoc: ein 500 Meter langer, rund 30 Meter hoher Abschnitt der Steilküste, wenige Kilometer von Omaha Beach entfernt. Am D-Day schaltete hier ein US-Ranger-Bataillon deutsche Stellungen aus. Das Gelände wurde 1979 den USA zur dauerhaften Nutzung überlassen und wird seither im Zustand von 1944 erhalten – seit 2004 sichert man die durch Erosion gefährdete Steilküste unter dem ehemaligen Feuerleitstand mit Beton und Stabilisierungsbohrungen. Hunde sind dort leider nicht erlaubt, weshalb unser Besuch kurz ausfiel.
Weiter nach Sainte-Mère-Église: Am frühen Morgen des D-Day, dem 6. Juni 1944, landeten hier im Zuge der Operation Overlord 14’000 alliierte Fallschirmjäger der 82. US-Luftlandedivision – durch einen Absetzfehler auch viele der 101. Division. Bekannt wurde der Ort durch das Missgeschick des Fallschirmjägers John Steele, der mit seinem Fallschirm an einem Eckturm der Kirche hängen blieb und sich nicht befreien konnte, während der Kirchplatz heftig umkämpft war. Auch der 17-jährige Ken Russell blieb an der Kirche hängen; beide mussten mitansehen, wie ihre Kameraden im Kampf fielen. Sergeant John Ray rettete sie, indem er den deutschen Soldaten, der es auf die beiden abgesehen hatte, noch im Fallen erschoss. Der Vorfall wurde in «Der längste Tag» verfilmt – allerdings nur Steeles Geschichte, Russell kommt darin nicht vor. Heute erinnert eine Puppe an der Kirchturmspitze an den ungewollten Landepunkt.
Weiter zum Phare de la Hague, buchstäblich am Ende der Welt und nur über eine einzige Strasse erreichbar. Der Leuchtturm wurde in den 1950ern modernisiert und 1971 elektrifiziert, sein Lichtblitz reicht rund 35 km weit. Bei Ebbe bildet die Steinküste mit ihren Felsformationen eine Art Mondlandschaft. Weil wir noch einkaufen mussten, fuhren wir nach Cherbourg und von dort auf den Campingplatz L’Anse du Brick: schöne Umgebung, sehr nette und informative Rezeption, top Sanitäranlagen, grosse terrassierte Stellplätze mit Hecken als Sichtschutz.
Mont-Saint-Michel
Der Küstenstrasse entlang bis Utah Beach, mit einem Halt bei den dortigen Denkmälern, dann quer durchs Landesinnere zum nächsten Ziel: dem Mont-Saint-Michel. Der Wohnmobilplatz beim grossen Besucherparkplatz war fast leer – da man ohnehin mindestens 24 Stunden (18 Euro) bezahlen muss, übernachteten wir gleich dort statt auf dem nahegelegenen Campingplatz. Zu Fuss über die Brücke sind es 2–3 km, alternativ verkehrt ein Gratis-Shuttlebus (ohne Hunde) oder eine Pferdekutsche.
Le Mont-Saint-Michel ist eine eigene Gemeinde mit rund 33 Einwohnern, besteht seit dem Jahr 708 auf einer Felseninsel im Wattenmeer und misst nur etwa 55’000 m². Die Abtei prägt die Insel im normannischen Baustil seit 1022; bis in die 1960er lebten hier Benediktiner, seit 2001 Ordensleute der Gemeinschaften von Jerusalem. Rund 2,3 Millionen Menschen besuchen den Mont jährlich, seit 1979 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bei Ebbe lässt sich der Ort ausserhalb der Stadtmauern erkunden, bei Flut steigt das Wasser rasant und umschliesst die Stadt vollständig – für Erkundungen empfiehlt sich dringend eine ortskundige Führung. Wir besuchten die engen Gassen und vielen Treppen, hielten uns wegen der vielen Touristen aber kurz. Ich will gar nicht wissen, wie es dort in der Hochsaison zugeht. Am Abend wollten wir nochmals hin für Fotos im Abendlicht, doch ein kleiner Sturm mit Regen zog auf, und wir blieben lieber drinnen.
Val de Loire
Der Sturm hatte sich verzogen, der Himmel war nur noch leicht bewölkt. Weil wir den Berg auch bei Flut sehen wollten, fuhr Bruno nochmals mit dem Shuttlebus hin und lief zu Fuss zurück, während ich ihm mit Palux entgegenlief. Zurück beim Camper ging die Fahrt weiter Richtung Nantes und dann der Loire entlang zurück in Richtung Schweiz. Wir übernachteten auf dem Campingplatz du Chêne in Saint-Julien-de-Concelles bei Nantes – schöne, saubere Sanitäranlagen, ein kleiner See für die Gassirunde mit dem Hund (Leinenpflicht), Fitnessposten, Bootsverleih.
Weiter der Loire entlang Richtung Orléans: das Château de Saumur mit toller Aussicht auf Stadt und Fluss, dann das Château d’Ussé – der Eintritt kostete 14 €, und weil es schon später Nachmittag war, blieb es bei ein paar Fotos von aussen.
Übernachtet haben wir auf dem Stellplatz in Azay-le-Rideau, schön an einem Fluss gelegen, mit Ver- und Entsorgung und gratis WLAN – der Weg dorthin führte durch die engen Gassen des Orts und verlangte Nerven und einen kühlen Kopf, doch die Einheimischen waren geduldig und tolerant. Am Château et Jardins de Villandry gefiel uns, dass man auch nur ein Ticket für den Garten lösen kann und der Hund mitdarf; die verschiedenen Gartenbereiche sind sehr unterschiedlich und sehenswert.
Das Château d’Amboise liegt mitten in der Stadt, ohne Parkplatz ging es weiter zum Château de Chenonceau – eigentlich eines der sehenswertesten Schlösser, doch bei 14 € Eintritt, kurz vor Schliessung und Übernachtungsverbot auf dem Parkplatz entschieden wir uns dagegen. Es war ein anstrengender, heisser Tag, wir wollten nicht mehr lange nach einem Übernachtungsplatz suchen und fuhren direkt zum Château de Chambord, um auf dem dortigen Wohnmobilparkplatz zu übernachten. Die Weiterfahrt wurde mit einem Schloss im schönsten Abendlicht belohnt – die untergehende Sonne tauchte Chambord in ein wunderbares Licht, wir konnten kaum genug davon bekommen. In den weiten Gärten und dem nahen Wald liessen sich ausgiebige Spaziergänge machen, ideal mit Hund.
Am Morgen waren wir froh, die schönen Bilder bereits am Vorabend gemacht zu haben – bei Tageslicht ist das Schloss nur halb so eindrücklich. Wir spazierten zum Schloss, besuchten die frei zugänglichen Gärten und verzichteten wegen der langen Warteschlange auf den kostenpflichtigen offiziellen Schlossgarten. An einem kleinen See bei Grosbois-en-Montagne gab es nochmal eine Gassirunde. Eigentlich wollten wir noch eine Nacht im Elsass verbringen, doch wegen der Pfingsttage waren alle Camping- und Stellplätze belegt – also entschlossen wir uns nach dem Abendessen, gleich ganz nach Hause zu fahren.
Die zehn Tage im Norden Frankreichs waren einen Besuch mehr als wert. Das Wetter spielte mit, und wir verbrachten herrliche Tage im Land des Cidre und des Calvados. Ausser am Mont-Saint-Michel gab es erstaunlich wenige Touristen, das Fahren durch die engen Gassen der kleinen Dörfer war entsprechend entspannt. Fürs Loiretal mit seinen vielen Schlössern sollte man sich genug Zeit einplanen.
Frankreich, wir kommen wieder – das nächste Mal die Bretagne und die Gegend um Bordeaux. Und schon jetzt planen wir unsere nächste grosse Reise: vier Wochen im Sommer, Richtung Norwegen.
Unsere Empfehlungen
Campingplätze
Stellplätze



